Dienstag, 12. April 2011

11. Maerz Tsunami Evakuation

 

Am naechsten Morgen liessen wir uns von einem der Angestellten in die Stadt fahren.

Diesmal waren wir schon vorbereitet und liessen uns weiterhin bei niemandem auf ein Gespraech ein. Ein freundliches Bula und weiter ging’s. Diesmal kam es uns auch nicht ganz so anstrengend vor.

Dann kauften wir noch im Supermarkt ein paar Essensvorraete und in einem Kleiderladen noch ein paar neue Sachen ein die recht guenstig waren.

Anschliessend gingen wir in die Baeckerei vom letzten mal und liessen uns noch ein zweites kleines Fruehstueck schmecken.

Hinduthempel in der Stadt…

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Nachdem wir die weiteren Strassen abgeklappert hatten, hatten wir auch genug und liessen uns wieder zurueck fahren.

Zu Hause huepften wir erst mal in den kuehlen Pool. Dann setzten wir uns an den Tisch, wo im Hintergrund CNN der Nachrichtensender lief. Sie brachten die neuesten Meldungen, dass erst vor ein paar Minuten in Japan ein schweres Erdbeben gewesen war und gerade eine riesen Tsunamiwelle ueber das Land rollte. Die Bilder waren grausam und beaengstigend und jedem von uns verschlug es den Atem.

Inzwischen kamen Stevie, die Besitzerin des Hostels mit ihren beiden Kindern Boogie und Mahina ( 9 und 8 Jahre), einige ihrer Freunde und alle Angestellten dazu.

Nach einiger Zeit sahen wir, dass die Experten eine Tsunami Warnung fuer den gesamten Pazifikraum herausgaben, wozu auch wir zaehlten. Ein fieses Gefuehl zog durch meine Magengegend und ich fing an Angst zu bekommen. Wir sassen also den gesamten Nachmittag bis spaet in die Nacht vor dem TV und warteten immer wieder auf neue Informationen.

Die Welle sollte gegen 3 Uhr in der Nacht auf Fiji treffen und nachdem Experten sich im TV schon gegenseitig hochpuschten sprachen sie schon von einer 30 Meter hohen Welle, die alle kleinen Inseln wegspuehlen wuerde…meine Angst fing an sich in Panik zu verwandeln und ich hatte staendig diese schlimmen Bilder vor Augen…es war wirklich nicht schoen.

Irgendwann setzte ich mich auf unsere Veranda um nicht staendig auf diese schlimmen Bilder sehen zu muessen, als Boogie auf mich zukam. Man merkte deutlich, dass er ohne Vater aufwuchs und versuchte in der Familie die Maennerrolle zu spielen. Er war immer der coole mit seinen 9 Jahren und schien vor nichts und niemanden Angst zu haben… das Gegenteil von seiner Schwester.

Er sagte zu mir, dass er nicht wisse ob die Welle komme oder nicht, wir sollten doch fuer den Fall dass sie kaeme unsere wichtigsten Sachen in eine kleine Tasche packen und bereit sein. Er haette keine Angst, aber was ihn traurig mache sei das Schicksal seiner 5 Hunde, die er zuruecklassen muesse. Dann ging er und ich hatte an meinem ganzen Koerper Gaensehaut. Ich heulte wie eine kleine 3 jaehrige und der Junge stand mit seinen 9 Jahren vor mir als haette er vor nichts Angst!

Dann in der Nacht ging es ploetzlich sehr schnell. Wir sassen noch vor dem TV waehrend sich bis auf 1 Angestellter alle hingelegt hatten. Um 2 Uhr fuhr ein Auto der Army mit lauten  Alarm durch die Strassen und forderte alle Leute auf sich auf eine hohe Stelle auf der Insel zu begeben. Auch unsere Handys zeigten auf dem Display ploetzlich  “Tsunami Allert’’ an.

Wir waren ausser einem Maedchen aus England die einzigen Gaeste. Wir nahmen also die vorher bereits gepackten wichtigsten Sachen und fuhren alle in dem kleinen Minibus der Hostelbesitzerin los. Nebenan gab es ein riesen Hotel wo unzaehlige Gaeste vor der Tuer standen und auf ein Taxi warteten, dass sie zu einer sicheren Stelle bringen sollte, denn das Hotel kuemmerte sich nicht darum. Die Angestellten waren bereits weg…unfassbar!!!

Wir hielten genau am Strand, dort wo ich zu der Zeit am allerwenigsten sein wollte. Stevies Bruder befand sich dort und weigerte sich mitzukommen.
Sie wurde boese und schrie ihn an, hatte aber keine Chance. Er wollte an dem Strand wie einige andere Einheimische sitzen bleiben und auf die Welle warten.

Die meisten Leute auf Fiji gehoeren einer Form der Christen an, die daran glauben, dass 2012 die Welt untergeht. Angeblich haben im 17.ten Jahrhundert 4 verschiedene Frauen auf 4 verschiedenen Kontinenten die gleiche Eingebung gehabt. Sie sagten voraus, dass 2012 das Ende naht und vorher die Welt mit Naturkatastrophen wie schweren Erdbeben, Tsunamis, Ueberflutungen und auch Krieg  heimgesucht werde. Also sei das nun alles der Anfang. Viele sagten, sie wuerden lieber am Strand sitzen bleiben und auf das Ende mit der Welle warten.

Im Normalfall lache ich ueber solche Aussagen, denn viele Leute haben bereits das Ende voraus gesagt, aber in solch einer Situation, wenn man selber so unter Angst steht macht es das nicht gerade besser.

Wir fuhren also los, inzwischen war es bereits fast halb 3. Wir hielten auf einem kleinen Berg wo sonst niemand war und mich nicht wirklich beruhigte, da wir gleich aufs Meer sehen konnten. Also im Falle einer hohen Welle waeren wir nicht sicher gewesen.

Da bekam ich noch mehr Panik und dem Maedel aus England schien es da nicht besser zu gehen. Auf unsere Bitte hin doch an eine andere Stelle zu fahren, entschied sich Stevie zur Armystation zu fahren. Dort waren nicht nur Einheimische sondern auch fast alle anderen Touristen. Wie in den  Bildern, die man aus dem Fernsehen kannte lagen dort unzaehlige Menschen in einer grossen Sporthalle  auf dem Boden verstreut.

Dort waren wir zwar immer noch nicht sehr hoch, aber ein Wachmann sagte im Falle einer Riesenwelle haetten sie von dort aus genuegend Zeit uns auf einen hoeheren Berg zu bringen.

Irgendwie waren nur wir, die Touristen diejenigen, die Angst zu haben schienen. Die meisten Leute blieben zu Hause in ihren Haeusern oder feierten ausgiebig in der offenen gegenueberliegenden Disco. Viele waren bereits so betrunken, dass sie nicht mal mehr stehen konnten. Das war fuer uns unfassbar, denn im Notfall haetten sie nicht mehr weit geschweige denn  schnell laufen koenen.

Ein Wachmann und Stevie erklaerten uns, dass es auf Fiji noch nie einen Tsunami gegeben haette und die Menschen auch nicht daran glaubten, dass es noch einen geben werde, da um die gesamte Insel ein riesen grosses Great Barrier Reef liegt, das vom All aus wie ein weisser Ring um die Insel leuchtet. Im Falle einer hohen Welle wuerde diese bereits auf das Reef brechen bevor sie aufs Festland trifft und eine Welle deutlich abflachen. Das beruhigte mich ein wenig…

So sassen wir alle draussen auf dem Boden und warteten…das war eingentlich das Schlimmste….das Warten!

Es wurde 3 Uhr und nichts passierte…Stefan hatte zum Glueck seinen Mp3 Player mit Radiofunktion mitgenommen und so erfuhren wir zeitnah alle Neuigkeiten. Inzwischen war die Welle in knapp 1 Meter Hoehe auf Hawaii getroffen…also alles nicht so schlimm wie erwartet. Das liess uns aufatmen und hoffen.

Wir mussten noch bis 5:45 Uhr warten bis die Tsunami Warnung aufgehoben wurde. Das Meer ging laut Augenzeugen fuer ca. 300 Meter zurueck ( zum Glueck war gerade Ebbe) und kam in der Hoehe von knapp einem halben Meter zurueck…also alles gut Smile

Voellig erschoepft fuhren wir wieder zurueck zum Hostel. Von dort aus informierten wir gleich erleichtert unsere Familien!!!

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